Part Manufacturing Record

Der Part Manufacturing Record ist ein optionales Zertifikat, das Sie für bei 3Faktur gefertigte Bauteile erhalten können. Es dient als Certificate of Compliance, geht inhaltlich aber deutlich darüber hinaus.

Das Zertifikat dokumentiert zentrale Fertigungsinformationen: Prozessentscheidungen, Materialzustand, Nachbearbeitung, Prüf- und Freigabeschritte sowie relevante Angaben zur Wiederholproduktion.

Damit wird sichtbar, unter welchen technischen Bedingungen ein Bauteil entstanden ist — und welche Faktoren Qualität, Rückverfolgbarkeit und Reproduzierbarkeit beeinflussen.

Inhalte des Zertifikates

Was der Part Manufacturing Record transparent macht

Wie das Bauteil gefertigt wurde

Orientierung, Print Mode, Abkühlstrategie und Bauraumnutzung.

Unter welchem Materialzustand produziert wurde

Materialsystem, Refresh Rate und Oxidation Monitoring.

Welche Bearbeitungsschritte durchgeführt wurden

Färben, Glätten, Strahlen oder weitere dokumentierte Nachbearbeitung.

Welche Prüf- und Freigabeschritte erfolgt sind

Visuelle Prüfung, Gewichtskontrolle, Final Release und Rückverfolgbarkeit.

Wie Wiederholbarkeit unterstützt wird

Durch dokumentierte Orientierung, Parameter, Materialführung und Nachbearbeitung.

1 Bauteil-Orientierung

Die Bauteil-Orientierung beschreibt, wie ein Bauteil im Bauraum positioniert wird. Diese Entscheidung beeinflusst Oberfläche, Maßhaltigkeit, thermischen Verzug, mechanisches Verhalten und Wiederholbarkeit.

Bei Multi Jet Fusion ist die Orientierung eine zentrale Prozessentscheidung. Sie bestimmt, welche Flächen nach oben, unten oder seitlich im Bauraum liegen, in welcher Richtung Schichten aufgebaut werden und wie sich Wärme während des Prozesses verteilt.

Symbolbild Bauteilorientierung im 3D-Druck

1.1 Einfluss der Bauteilorientierung auf Oberfläche und Maßhaltigkeit

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Die Orientierung bestimmt, welche Flächen als Upskin, Downskin oder Seitenfläche entstehen. Da diese Bereiche im MJF-Prozess unterschiedlich belichtet, erwärmt, mit flüssigkeit benetzt und vom Pulver gestützt werden, unterscheiden sich Oberflächenstruktur und Detailbild. Zusätzlich kann der Winkel zur Schichtebene sichtbare Treppenstufeneffekte verstärken oder reduzieren.

Schematische Barstellung der Bauteilorientierung

Die Maßhaltigkeit ist in der XY-Ebene typischerweise besser kontrollierbar als in Z-Richtung, da die Z-Richtung durch den schichtweisen Aufbau geprägt ist. Funktionsflächen, Bohrungen oder Passbereiche sollten daher so orientiert werden, dass kritische Maße möglichst stabil gefertigt werden können.

Schematische Darstellung Masshaltigkeit je Bauteil-Orientierung

Während des Drucks und der Abkühlung entstehen Temperaturunterschiede im Bauteil und im umgebenden Pulver. Je nach Orientierung verteilt sich Wärme anders über Wandstärken, Flächen und massive Bereiche. Dadurch kann die Orientierung Verzug reduzieren oder ungünstig verstärken.

Schematische Darstellung eines flachen MJF-Bauteils mit leichtem thermischem Verzug und teilweise schwarzer Nachbearbeitung.

Additiv gefertigte Bauteile können richtungsabhängige Eigenschaften zeigen, weil sie schichtweise aufgebaut werden. Die Orientierung beeinflusst daher, wie Lasten relativ zur Schichtrichtung wirken. Für belastete Bereiche ist relevant, ob Kräfte eher entlang stabiler Bauteilachsen oder ungünstig quer zur Aufbaurichtung eingeleitet werden.

Schematische Darstellung des mechanischen Verhaltens von MJF-PA12 mit nahezu gleicher Zugfestigkeit in alle Richtungen und leicht reduzierter Bruchdehnung in Z-Richtung.

Eine platzsparende Orientierung erhöht die Packungsdichte im Bauraum und kann die Fertigungskosten senken. Diese wirtschaftliche Optimierung ist jedoch nicht immer identisch mit der besten technischen Orientierung, weil Sichtflächen, Funktionsflächen oder Verzugsrisiken anders priorisiert werden können.

Schematische Darstellung von geringer und hoher Packungsdichte im MJF-Bauraum mit sperrigen Geometrien links und kompakt genesteten Bauteilen rechts.

Für Serienbauteile ist nicht nur eine gute Einzelorientierung wichtig, sondern eine konsistente Wiederholung über mehrere Produktionsläufe. Wenn Orientierung und Positionierungslogik stabil bleiben, lassen sich Oberflächenbild, Maßverhalten und Prozessbedingungen besser reproduzieren.

Schematische Darstellung zur Wiederholbarkeit in der MJF-Fertigung: identische Orientierung und Parameter führen zu gleichmäßiger Qualität, abweichende Orientierung oder Parameter zu schwankenden Ergebnissen.

Die beste Orientierung hängt von der Bauteilgeometrie und den gewünschten Eigenschaften ab. Eine schräge Orientierung kann die Oberflächenqualität verbessern, aber Maßhaltigkeit, Bauraumnutzung oder Reproduzierbarkeit verschlechtern. Eine platzsparende Orientierung kann Kosten senken, ist aber nicht automatisch die beste Wahl für Sichtflächen oder Maßhaltigkeit.

1.2 Wie 3Faktur orientiert

Icon Orientation PA 12 Classic and Performance

PA 12 | Classic / Performance
Qualitätsoptimierte Orientierung mit möglichst guter Balance aus Oberflächengüte, Maßhaltigkeit und Prozessstabilität.

Icon Orientation PA 12 Essential

PA 12 | Essential
Kostenoptimierte Orientierung. Konsistent über Batches hinweg, aber innerhalb sinnvoller Optionen häufiger platzsparend.

Icon Orientation PA 12 Smooth

PA 12 | Smooth
Orientierung mit Fokus auf Oberflächenhomogenität und nachgelagerte Oberflächenqualität.

1.3 Wiederholproduktionen

Für Wiederholproduktionen ist Konsistenz entscheidend. Bauteile, die bereits bei 3Faktur produziert wurden, sollen bei späteren Bestellungen möglichst identisch hergestellt werden – auch bei neuen Revisionen oder individualisierten Varianten.
3Faktur hat dafür eine eigene Softwarelösung entwickelt, die Bauteile im Arbeitsvorbereitungsprozess wiedererkennt. Mithilfe von eigens entwickelten KI-Methoden werden geometrische Ähnlichkeiten zwischen Bauteilen identifiziert. So lässt sich zuverlässig erkennen, ob ein Bauteil oder eine vergleichbare Variante bereits produziert wurde.
Wird ein Treffer erkannt, werden Orientierung sowie relevante Schicht- und Prozessparameter aus der Produktionshistorie konsistent übernommen. Dadurch werden Wiederholproduktionen reproduzierbarer, effizienter und weniger abhängig von manuellen Entscheidungen.

Schematische Prozessgrafik zur KI-gestützten Erkennung ähnlicher Bauteile bei 3Faktur.
Identische oder hochähnliche Bauteile werden bei 3Faktur mittels einer KI identifiziert und die Produktionsparameter übernommen, um eine konsistente Fertigung sicherzustellen.

2 Prozessparameter

Die Production Parameters beschreiben wesentliche Prozessbedingungen des Produktionslaufs. Sie zeigen, mit welcher Anlagenplattform und unter welcher Prozessstrategie das Bauteil gefertigt wurde.

Diese Angaben sind relevant, weil additive Fertigung stark prozessabhängig ist. Gleiche Geometrie und gleiches Material führen nicht automatisch zum gleichen Ergebnis, wenn Anlagenplattform, Print Mode, Abkühlung, Bauraumnutzung oder Nachbearbeitung unterschiedlich sind.

ParameterBeschreibungBedeutung
Machine PlatformEingesetztes industrielles 3D-Drucksystem.Teil des qualifizierten Prozessfensters; beeinflusst Materialvariante, Prozessstrategie und reproduzierbare Qualität.
Print ModeGewählte Prozessstrategie innerhalb der jeweiligen Maschinen- und Materialkombination.Macht sichtbar, ob der Produktionslauf eher auf Produktivität, Robustheit oder Balance ausgelegt wurde.
Cooling StrategyKontrollierte Abkühlung nach dem Druck.Die Abkühlung ist Teil des Fertigungsprozesses, nicht nur Wartezeit nach dem Druck.
Layer ThicknessSchichtstärke im Druckprozess.Beeinflusst Detailauflösung, Oberfläche, Treppenstufeneffekte, Prozesszeit und Prozessstabilität.
Build DensityAusnutzung des Bauraums.Der Bauraum ist ein thermisches und wirtschaftliches System; die Auslastung beeinflusst Kosten und Prozessbedingungen.
Manufacturing HistoryAbgleich mit früheren Produktionsläufen.Wiederholbarkeit entsteht durch kontrollierte Wiederverwendung bewährter Produktionsentscheidungen.
Lattice StructureDokumentation von Gitter- oder Leichtbaustrukturen.Relevanz für Gewicht, Steifigkeit, Dämpfung, Reinigbarkeit und technische Bewertung.
Post ProcessingDokumentierte Nachbearbeitungsschritte.Das gelieferte Bauteil ist das Ergebnis aus Druck und Nachbearbeitung; beides gehört zur Produktionsrealität.

Print Mode

Balanced
Ausgewogene Prozessführung. Ziel ist ein stabiler Serienprozess mit guter Bauteilqualität und wirtschaftlicher Fertigungszeit.

Schichtstärke: 80 µm
Varianten:
PA 12 | Classic
PA 12 | White
PA 12 | Smooth

Fast
Produktivitätsorientierte Prozessführung, Geschwindigkeit und Kosten werden stärker gewichtet.

Schichtstärke: 110 µm
Varianten:
PA 12 | Essential

Robust
Prozesssicherheitsorientierte Prozessführung für anspruchsvolle Geometrien oder kritische Bauteilbereiche.

Schichtstärke: 90 µm
Varianten:
PA 12 | Performance

Machine Platform

3Faktur arbeitet mit mehreren industriellen HP Multi Jet Fusion Systemen. Anlagen unterscheiden sich in Materialfreigaben, Prozessfenster, Produktivität und Qualitätsprofil.

  • HP MJF 5210 Pro: eingesetzt für PA 12 | Classic und PA 12 | Essential
  • HP MJF 5420: eingesetzt für PA 12 | White
  • HP MJF 5620 Pro: eingesetzt vor allem für PA 12 | Performance und PA 12 | Smooth

Material System

Das Material System beschreibt die kontrollierte Materialumgebung. Bei pulverbasierten Verfahren ist nicht nur der Materialname relevant, sondern auch Materialplattform, Refresh Rate und Materialzustand.

ein kleiner Haufen weißes PA 12 Pulver für den Multi Jet Fusion 3D-Druck
Der Rohstoff: PA 12 Pulver
ParameterBeschreibung
Material TypeEs werden zwei Arten von PA 12 verwendet, HP 3D HR PA 12 von Evonik (Varianten PA 12 | Classic, Essential und Performance), sowie
Material SystemEin qualifiziertes Materialsystem definiert nicht nur den Werkstoff, sondern auch dessen Verarbeitung im Prozessumfeld.
Refresh RateZentraler Parameter für Materialqualität und Prozessstabilität.
Oxidation MonitoringMaterialqualität muss im Prozess überwacht werden, nicht nur über ein Datenblatt angenommen werden.

Quality Assurance / Inspection Process

Der Inspection Process dokumentiert ausgewählte Prüf- und Freigabeschritte. Er zeigt, ob die Charge geprüft, freigegeben und rückverfolgbar ist.

KonotrolleBeschreibungBedeutung
Visual InspectionPrüfung sichtbarer Abweichungen, etwa unvollständige Bereiche, Beschädigungen oder auffällige Oberflächenfehler.Schneller Kontrollpunkt für äußerlich erkennbare Prozess- oder Handlingabweichungen.
Weight CheckVergleich des Bauteilgewichts mit dem erwarteten Bereich.Gewichtsabweichungen können Hinweise auf Geometrieabweichungen, Restpulver oder unvollständige Entpulverung geben.
Final ReleaseBestätigung, dass definierte Prozess-, Prüf- und Freigabeschritte abgeschlossen wurden.Formaler Abschluss der qualitätsrelevanten Prozesskette.
Batch TraceabilityRückverfolgbarkeit der Charge.Wichtig für Wiederholproduktionen, Reklamationsanalyse, technische Dokumentation und qualifizierte Lieferketten.

Warum 3Faktur diesen Record ausstellen kann

Ein Part Manufacturing Record ist nur möglich, wenn die relevanten Prozessdaten strukturiert verfügbar sind. Dafür braucht es mehr als 3D-Drucker.

01

Industrielle additive Fertigung

Definierte Prozessfenster, Serienlogik und kontrollierte Produktionsbedingungen.

02

Digitale Produktionssteuerung

Verknüpfte Daten aus Auftrag, Bauteil, Material und Prozess.

03

Dokumentierte Qualitätssicherung

Prüfung und Freigabe als Bestandteil des Produktionsprozesses.

04

Kontrollierte Materialführung

Überwachte Materialsysteme, Refresh-Strategien und definierte Pulverführung.

05

Hohe Automatisierung

Weniger manuelle Brüche, höhere Prozesssicherheit und konsistente Abläufe.

06

Konsistente Wiederholproduktion

Stabile Orientierung und Parameter für wiederkehrende Bauteile.

Der Record ist kein nachträgliches Reporting. Er ist ein Auszug aus einer kontrollierten, digitalisierten und qualitätsorientierten Fertigungsumgebung.

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